Rogen-Röa-Femund: Mit dem Wanderkanu von Schweden nach Norwegen (Teil 2)

(hier geht es zu Teil 1)

Nach dem Ruhetag am Roasten an der Röa in Norwegens Femundsmarka starten wir erneut durch. 4,5 Kilometer Seestrecke liegen vor uns, bevor erneut Stromschnellen und Wasserfälle umtragen werden müssen. Wir kommen gut voran, durchpaddeln an diesem Tag Roasten, Djuphaen und Vollhaen, die dazwischenliegenden Stromschnellen sind größtenteils paddelbar, wenn auch manchmal mit reduziertem Gepäck und nur einer Person pro Boot. Die, die nicht mitpaddeln, laufen am Ufer parallel. Am Ende des Vollhaen schlagen wir am linken Ufer unser Lager auf. Es gibt hier keine Hütte, ein selbstgespanntes Tarp muss als Schutz vor heranziehenden Regenfällen reichen. Die Mahlzeit fällt etwas knapper aus, Tassensuppen ergänzen unser Abendbrot. Größere Regenfälle erwischen uns hier glücklicherweise nicht, vom Femundsee weht aber ein kühler Wind zu uns hinauf.DSCI0125

Weiter geht es am folgenden Morgen mit der ausführlichen Besichtigung des nächsten Flussabschnittes. Mehre Wasserfälle, Schnellen, eine Schlucht liegen hier vor uns. die Röa führt relativ wenig Wasser, die Passagen sind allesamt verblockt, Bäume liegen quer. Wir treffen die Entscheidung zu portagieren. Material und Boote. Über eine Strecke von 1,3 Kilometern muss ALLES geschleppt werden. Über Trampelpfade und quer über blockige Felspassagen wuchten wir Boote und Material in mehreren Gängen an die Stelle, wo wieder eingesetzt werden kann. Dieses Unterfangen hält uns bis zum frühen Nachmittag auf, kostet viel Kraft. Fast alle fassen entsprechend mit an um die Umtrage gemeinsam zu bewältigen. Nur ein Gruppenmitglied setzt den Kurs der vergangenen Tage fort, lieber nur an sich selbst zu denken. Nun denn, Gruppenreisen sind halt nicht für jeden gemacht. Die Gruppe insgesamt hat das aber wenig gestört und man darf aber hoffen, dass der betreffende Teilnehmer sich und einer weiteren Gruppe das nicht erneut antut. Es ist offensichtlich, dass er sich wohl verbucht hat und nicht wirklich wohl fühlt auf dieser Expedition.

Erst auf dem Starrhaen können wir die Boote wieder einsetzen. 400 Meter dürfen wir paddeln, dann folgt die nächste Schnelle. Ein letztes Mal darf sich Johann allein im Wildwasser vergnügen, eine weitere Schnelle kann von allen, die möchten, befahren werden, und nach weiteren 400 Metern erreichen wir die Weite des Femundsees. Fast 60 km erstreckt sich dieser von Nord nach Süd, wir erreichen den See in etwa im nördlichen Drittel. Unmittelbar nach der Mündung der Röa finden wir am Dampferanleger unseren Rastplatz am Ufer des Femund-Sees. Neben dem normalen Abendessen kochen wir hier noch Pudding, den wir gemeinsam im Sonnenuntergang auf dem Dampferanleger genießen. 4 Tage liegen noch vor uns, bis wir in Elga abgeholt werden. 4 Tage an den Mückenverseuchten Ufern des Femundsees, eineinhalb Pausentage können wir also noch einlegen, und wären trotzdem noch rechtzeitig am Ziel. Die enorme Größe des Femund zwingt uns auch dazu jede Bucht auszufahren, eng unter Land zu paddeln, um zumindest einigermaßen Schutz vor Wind und Wellen zu finden.DSCI0159

22 Kilometer Strecke machen wir ohne größere Pausen, bis wir den nächsten Rastplatz und Dampferanleger erreichen. Der ein oder andere kommt langsam ans Ende seiner Kräfte. Lange Strecken auf einem See paddeln sich dann doch anders, als wir es von den kurzen Abschnitten auf der Röa gewohnt sind. Die Aussicht, es jetzt nicht mehr weit zu haben, hilft. Das Wetter verändert sich leider zum schlechteren, vermehrt regnet es. Der folgende Morgen ist der Erste, an dem das Frühstück in der Wartehütte am Dampferanleger eingenommen wird, das Wetter draußen ist zu ungemütlich und vor allem nass geworden.

Als es zumindest etwas windstiller und die Wellenlage besser wird, packen wir zusammen und paddeln weiter gen Elga. 2 Tage haben wir noch bis zur geplanten Abholung. Wir paddeln bis 1 km vor Elga, schlagen unsere Zelte noch einmal auf einem wilden Rastplatz auf. 2 Nächte wollen wir hier gemütlich verbringen, bevor wir zum Abholpunkt übersetzen. Bereits mittags sind wir da, schnell stehen die Zelte auf der flachen Wiese unweit des Seeufers. Auch ein Tarp ist schnell gespannt und da das Wetter weiter ungemütlich ist und Bewegung allemal besser als das sitzen im kalten Wind und Regen, machen wir uns zu Fuß auf nach Elga. Viel gibt es hier zugegebenermaßen nicht zu sehen. Kirche, Dampferanleger, Nationalparkzentrum und eine Tankstelle mit kleinem Supermarkt. Letztere zwei sind für Outdoor-Reisende beliebtes Ziel. In beiden gibt es Toiletten, was die Nutzung des Klappspatens unnötig macht, im Supermarkt gibt es außerdem diverse Getränke, Eis und ähnliches, auf das man in den letzten 11Tagen verzichten musste.

DSCI0177Auch den folgenden Pausentag verbringen wir bereits mit Spaziergängen nach und durch Elga, bevor wir am Donnerstag dann die letzte Kanumeile in Angriff nehmen. Hohe Wellen machen uns noch ein letztes Mal richtig nass, aber was soll´s. Wir haben es geschafft, sind am Ziel unserer Kanu-Expedition. Ohne größere Verletzungen und fast ohne Material-Schäden sind wir bis nach Elga gekommen. Gegen Mittag holt Robert uns ab, eineinhalb Stunden später sind wir zurück in Idre im Camp. Während die Sauna bereits angeheizt wird, putzen wir die Ausrüstung. Campleiter Res versorgt uns mit Lebensmittteln für das Abendessen…wir waren mit wirklich leeren Tonnen im Camp eingetrudelt. Alles was dabei war hatten wir verwertet, nicht ein einziges Mal Reste entsorgt. Eipulver, Milchpulver, Trockengemüse, alle Dosen sind leer. Brot haben wir nicht mehr und 2 Tonnen voller Müsli (insgesamt ca. 25 Liter!!!) haben wir mit 8 Personen vertilgt. Neben den regulären Brotbelägen waren von mir noch 8 Dosen Brotaufstrich mit auf Tour…und auch diese sind allesamt geleert worden. 8 hungrige Männer auf Outdoor-Tour eben. Zugenommen haben wir nicht, die Tour erfordert Kraft und Ausdauer, so dass viel Energie gleich wieder verbrannt wird.

Am Abend gehen wir in die Sauna, noch später am Abend wird der HotTub frei…und wir genießen das noch heisse Wasser unter dem nicht Dunkel werdenden freien Himmel. Am Freitag machen wir noch eine kurze Radtour ins Ortszentrum von Idre. Mitbringsel werden gekauft. Es folgt das große Kofferpacken, bevor der Campkoch Werner uns am Abend mit einem leckeren Grillbuffet versorgt. der Abend bzw. die Nacht werden lang, gemeinsam blickt man auf eine tolle Tour zurück, die Ich früher oder später wiederholen möchte. Am Samstag Nachmittag steigen wir in den Bus, und auch wenn auf Kopfhörer gerade wieder Eddie Vedder mich „Into the Wild“ singt, sind wir unumkehrbar auf dem Rückweg in die Zivilisation. Zurück in de20160716_143908n Alltag…auf das es nicht allzulange dauert, bis ich wieder raus darf in die Natur.

Vielen Dank an meine 7 Mitreisenden, es war eine super Gruppe. Johann/Iro Joe hat seine Aufgabe als Tourenbegleiter super gemacht und ich freu mich jetzt schon auf ein Wiedersehen. Wieder auf der Rogen-Röa-Femund Tour. Oder doch mal auf der Wellenritt-Tour? Mal schauen, wo es mich das nächsten Jahr hin verschlägt… Das Nachtreffen 2016 wird mich da sicher inspirieren…

Vielen Dank auch an Rucksack Reisen in Münster, die Touren wie diese mit Ihrer Planung und Reiselogistik im Hintergrund erst möglich machen. 5 Mal durfte ich jetzt schon dabei sein und wenn eines sicher ist dann, dass es nicht das letzte Mal war. Vielen Dank außerdem an die Campleitung in Idre, Res und Robert, die für uns die weiten Shuttlefahrten (ohne die diese Tour nicht machbar wäre) zu Beginn und wieder zurück ins Camp gefahren haben. Wir sehen uns wieder!

Eine Antwort auf „Rogen-Röa-Femund: Mit dem Wanderkanu von Schweden nach Norwegen (Teil 2)“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*