Kanuwoche Värmland, Glafsfjorden und Värmeln, Juli/August 2013

Wie der Titel schon sagt, war ich in diesem Jahr eine Woche paddeln in Värmland. Unterwegs war ich in diesem Jahr mit Rucksack-Reisen aus Münster, und vorab: das ist in jedem Falle weiterzuempfehlen!

Ursprünglich war eine zweiwöchige Tour auf dem Svartälven geplant, die jedoch mangels Teilnehmern abgesagt wurde. Umgebucht hatte ich dann auf eine Woche Dalsland und eine Woche Värmland und das wäre sicher sehr schön geworden, wenn ich mir nicht ein paar Tage vor der geplanten Abfahrt den Nacken und Rücken so verzogen hätte, das Bewegung kaum noch möglich war. Und So musste ich den ersten Teil der Reise sehr kurzfristig absagen.

Hier kommt Rucksack-Reisen ins Spiel: Das Büro in Münster zeigte sich sehr sehr kulant und gab mir zunächst Zeit, um wieder gesund zu werden (was mir dann auch einigermaßen geglückt ist) um danach zu entscheiden wie es mit der eigentlich gebuchten und bereits bezahlten Reise weitergeht. Zwei Tage vor der nächstmöglichen Abfahrt gen Norden habe ich mich dann Gesund gemeldet, und Rucksack-Reisen vor die logistische Herausforderung gestellt, einen Platz zu finden im entsprechenden Reisebus. Auch hier war das Team von Rucksack-Reisen wieder sehr bemüht und fand dann auch die Lösung bzw. den Platz im Bus. Und so ging es dann am 26.Juli in Münster los, Ankunft in Stömne (südlich von Arvika am Westufer des Glafsfjorden) war am Samstag morgen, wo wir schon von unseren Tourenbegleitern erwartet wurden. Als „Basislager“ von Rucksack-Reisen dient dort ein altes Schulhaus, umgebaut zur Gruppenunterkunft und genutzt als sogenanntes Aktiv-Camp für Aktivurlauber, die die feste Unterkunft dem Zelt vorziehen.

Und so sammelten sich die verschiedenen Gruppen nach und nach, meine Kanuwochen-Gruppe bestand aus 8 Personen plus Tourenbegleiterin, und dann ging es auch schon los: Die Ausrüstung wurde zusammengesucht, wasserdichte Tonnen gepackt, und die mitzunehmenden Nahrungsvorräte für eine Woche ausgesucht und ebenfalls in Tonnen verstaut. Da es auf der Kanuwoche Värmland unterwegs quasi keine Möglichkeiten gibt, nachzukaufen, muss alles mitgenommen werden.

Dann ging es daran die Boote zu bepacken, das Gewicht gleichmäßig zu verteilen, und dann ging sie los, die Kanuwanderung. Wie der Name schon sagt, muss man denn auch zunächst mit den bepackten Kanadiern, die auf Bootswagen geschnallt waren, ein stückchen wandern:) um die Boote auf dem Glafsfjorden zu Wasser zu lassen. Mittlerweile war auch schon nachmittag und so stand an diesem ersten Tag, an dem alle noch etwas müde von der Busanreise waren, eine verhältnismäßig kurze Paddelstrecke auf dem Programm. Nach nur etwas mehr als 2 km erreichten wir eine Insel, „unser“ Quartier für die Nacht. Schnell waren die Zelte aufgebaut, sowie ein Tarp gespannt, was uns an diesem Abend noch sehr sehr nützlich sein sollte. Frisch angekommen mitten in der Natur übten wir uns nach und nach in der Benutzung der mitgebrachten „Toilette“ in Form eines Klappspatens. Für die meisten eher ungewohnt, aber im nachhinein betrachtet hygienischer als manch Bahnhofsklo. Und, wie soll ich sagen, die natürliche Wasserspülung hat zumindest an diesem Abend bestens funktioniert: Wir waren noch nicht lange an unserem Lagerplatz als ein heftiges Gewitter aufzog…. Das Zitat unserer Tourenbegleiterin „Gewitter sind selten in Schweden“ sollte uns die ganze Woche noch viel Freude bereiten. Jedenfalls konnte das Tarp uns weitesgehend vor den Regenfluten schützen und auch die Zelte haben dichtgehalten.

Am nächsten Tag ging es weiter auf dem Glafsfjorden noch ein Stück nach Süden, dann wurden die Boote aus dem Wasser gezogen, wieder auf die Bootswagen verladen und es folgte eine 5 km lange Portage um in den Lilla Värmeln zu gelangen. Dort paddelten wir dann ein Stück gen Norden, Es folgte ein Besuch im Värmskogs Cafe. Wer mal in die Gegend kommt, dem sei gesagt: hier gibts allerhand leckeres, und trotz Regenwetter war das Cafe fast schon überfüllt. Dafür gab es aber unter anderem leckere Krabbenbrötchen. wobei man hier das Brötchen suchen musste, so viele Krabben waren da auf dem Teller. Für Paddler auf dieser Tour eine gute..und letztlich einzige Möglichkeit..unterwegs Geld auszugeben.

Danach paddelten wir nur noch ein Stück weit in Richtung Einsamkeit auf dem Värmeln, Bald schon war ein weiterer schöner Lagerplatz gefunden, die Zelte aufgebaut und das Tarp gespannt. „Gewitter sind selten in Schweden“ und so hatten wir auch an diesem Abend wieder Richtig Glück, an einem solch „seltenen“ Phänomen teilzuhaben. Aber das wichtigste: Die Zelte hielten erneut dicht.

Mittlerweile waren wir so weit von jeder Zivilisation entfernt, das man man die totale Stille erleben konnte. Die Tage nach einem jeweiligen Campaufbau wurden im wesentlichen genutzt um für die Gruppe ein Abendessen zuzubereiten, Kenterübungen mit den Kanus zu veranstalten, zu Schwimmen oder zu lesen. Um die Wasserversorgung aufrecht zu erhalten ging es meist abends nochmal im Kanu auf den See hinaus um den Frischwassertank direkt aus dem See zu „betanken“. Das Wasser ist zwar leicht grünlich, aber trinkbar. Es ist ja auch nicht viel in der Nähe was das Wasser verunreinigen könnte…

Weiter ging es auf dem Värmeln gen Norden, unser Tagesziel war diesesmal Adelsön. Eine kleine einsame Insel im Värmeln. Hier gab es sogar einen kleinen Sandstrand und wieder viel Zeit zum Baden, entspannen, Lesen…und wie jeden Abend kochen. Gekocht wurde die gesamte Woche ausschlieslich auf Trangia-Spiritus-Kochern(Wir haben ganze zehn Liter Spiritus verbraucht), da die Arvika Kommun aufgrund der vorangegangenen heissen und trockenen Wochen ein Feuerverbot verhängt hatte, an das wir uns selbstverständlich hielten. Nach dem Essen wurde überlicherweise das Geschirr abgewaschen. Hierbei konnte ich mal wieder etwas lernen, was mir vorher noch nie in den Sinn gekommen ist: Waldboden/Tannennadeln sind, zusammen mit Sand, ein wirklich hevorragendes „Spülmittel“. und vorallem das Mittel der Wahl, wenn man draußen unterwegs ist und die Seen aus denen man sein Trinkwasser bezieht nicht gleich mit Spülmittel verunreinigen möchte. (Falls das jetzt jemand ausprobieren möchte: Wir hatten Blechgeschirr, mit dem heimischen Porzelan würde ich das evtl. nicht ausprobieren…)

Am folgenden Tag paddelten wir dann bis fast zum Nördlichen Ende des Värmeln, etwas südlich von Edane setzten wir dann aus, die Boote wurden wiederum auf die Bootswagen verladen. Dank der leichter werdenden Lebensmitteltonnen wurde auch das immer einfacher. Es folgte die „Kanu-Wanderung“ über die Landstraße nach Högerud, wo wir wieder in den Glafsfjorden einsetzten und von dort noch etwa 2 km nach Norden paddelten, um erneut auf einer Insel unser Lager aufzuschlagen. Diesesmal mussten wir auf den besten Lagerplatz mit Shelter verzichten, dieser war schon belegt und so gingen wir einige hundert Meter entfernt an Land. Der Aufbau der Zelte erfolgte immer routinierter und war schnell erledigt und so blieb wieder viel Zeit zum Baden, lesen, reden, entspannen…ganz wie man wollte. Die Benutzung des Klappspatens war mittlerweile allen vertraut, wenn man nur darauf achtete noch bei Tageslicht loszuziehen um ein Stilles Örtchen (Bäumchen) zu finden war das kein Problem.

Der Plan für den darauffolgenden Tag sah vor, nur ein kurzes Stück bis auf die Insel Skagern zu paddeln, dort den Lagerplatz mit Shelter „in Besitz“ zu nehmen, um dann weiterzupaddeln Richtung Arvika und am Abend nach Skagern zurückzukehren. Der erste Teil des Plans klappte auch wunderbar, Lagerplatz und Shelter waren noch frei, es gab sogar eine Trockentoilette. Wer jemals auf einer solchen war, benutzt aber ganz schnell wieder freiwillig den Klappspaten… Der Zweite Teil des Plans, am Nachmittag nochmal nach Ingestrand/Arvika zu paddeln musste dann aber leider entfallen. Denn, das muss man wissen: „Gewitter sind selten in Schweden“. Scheinbar nicht ganz so selten wie Elche…. Shelter und Tarp boten uns aber wiederum ausreichend Schutz, und die Zeit kann man ja auch damit verbringen heissen Tee und Kaffee zu kochen. Außerdem erkundeten wir dann noch „unsere“ Insel, auf der noch ein Haus bzw, eine Ferieneinrichtung stand, die aber nicht belegt war und am Nordende der Insel gab es einen kleinen Leuchtturm zu entdecken.

In den nächsten Tagen ging es nun wieder südwärts auf dem Glafsfjorden, unserem Basislager Stömnegarden entgegen. Die Tägliche Paddelstrecken waren auch für Anfänger machbar, für mich persönlich, der auch vor und nach dem Urlaub mehrmals die Woche im Boot sitzt, eher kurz. Aber es sollte ja auch Urlaub sein und kein Kanumarathon, und so war das ok. Unser nächstes Lager befand sich auf einer Felsenhalbinsel. und so wurde aus dem Tarp, gespannt über einen glatten Felsen, schnell eine Wasserrutsche… Ich selbst konnte diese nicht testen, die Gefahr mir erneut den Rücken zu verziehen, war letztlich zu groß. Zugucken machte aber auch Spaß. Am Abend kam noch eine weitere Rucksack-Reisen-Gruppe vorbei, die Seekajak-Jugend-Reise, die sich aber nach kurzer Pause an anderer Stelle einen Lagerplatz suchten. Insgesamt war die Tour sehr Einsam, mal abgesehen von dieser Jugendgruppe begegneten uns in den 7 Tagen unterwegs, wenn es hoch kommt, zehn andere Kanus.

Am letzten Tag paddelten wir dann zurück nach Stömne, unterwegs wurde nochmal die Ausrüstung am Sandstrand „gewaschen“, Am Abend waren wir zurück in Stömne. Noch einmal mussten die Boote auf die Bootswagen, noch einmal ein kleiner Berg bezwungen werden, dann waren wir wieder im Aktiv Camp. Nach Reinigung der Boote gab es dann auch schon Abendessen. Ausnahmsweise mussten wir dafür nichts vorbereiten oder selbst kochen, die Tourenbegleiter und der Koch im Camp hatten den Grill angeworfen und versorgten alle zurückgekehrten Gruppen mit Fleisch, Backkartoffeln und Pytt i Panna. sehr lecker und durchaus eine Abwechslung nach einer Woche „Outdoor-Essen“.

Die letzte Nacht wurde erneut gezeltet, diesesmal auf dem Grundstück des Aktivcamps, am Samstag morgen wurden zum letzten Mal die Zelte abgebaut, in der Sonne getrocknet und wurden dann von den am morgen angereisten nachfolgenden Gruppen übernommen. Den Samstag verbrachten wir dann im Camp, die Zeit wurde genutzt nochmal zu Duschen, die Möglichkeit der Nutzung richtiger Toiletten ausgiebig genutzt, das eigene Hab und Gut wurde wieder in Koffer/Rücksäcke verstaut, und die Heimfahrt rückte näher. Bevor aber die Busse beladen und bestiegen wurden gab es noch einen nassen Abschiedsgruß aus dem Himmel….denn Gewitter….die sind selten in Schweden….

Als Fazit bleibt: Ich hatte eine tolle Woche in Schweden (und nächstes Jahr werden es dann zwei nette Wochen!), Rucksack-Reisen ist ein toller Reiseveranstalter, völlig unkompliziert bei Buchung, Umbuchung und im Krankheitsfall. Ich habe durchweg guten Kundenservice und Betreuung erlebt, aber auch vor Ort vertreten durch nette Tourenbegleiter. Die Gruppen bestehen inkl. Tourenbegleiter aus maximal 12 Personen (Ich war in unserer Gruppe übrigens der jüngste, der Durchschnitt lag bei Mitte 30, die ältesten waren End40iger…). Die gestellte Ausrüstung ist gut gepflegt, Die Boote leicht zu paddeln, Schwimwesten und wasserdichte Tonnen/Säcke für sämtliches Material werden gestellt, Nachhaltigkeit wird unterstützt, das saubere zurücklassen der Lagerplätze (Müll haben wir immer mitgenommen, und am Ende im Camp entsorgt) , das einhalten von Regeln(Feuerverbot) ist Standard, Die Natur in der gereist wird wird geachtet. Das ist sicher keine Selbstverständlichkeit gerade im Bereich der Gruppenreisen kenn ich da auch andere Beispiele… und in sofern kann ich jedem, der Interesse an einer solchen Reise hat, aber nicht über eigene Ausrüstung verfügt oder gerne in der Gruppe verreist Rucksack Reisen nur empfehlen. Ich jedenfalls werde nächstes Jahr wieder eine Tour buchen…

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